Das Essen war vorzüglich gewesen. Zum Nachtisch hatte es eine Variation aus Schokolade und verschiedenen Früchten gegeben, in der Anna am liebsten gebadet hätte. Der Kellner jedoch hatte nur einen hübsch dekorierten Teller gebracht, so dass Anna die Freuden eines Schokoladenbades verwehrt geblieben waren.
„Das war sehr lecker.“, freute sie sich.
Max lächelte. Er hatte einen Tisch weiter hinten im Restaurant gebucht und sie hatten ausgiebig getafelt. Die meisten anderen Gäste hatten sich schon auf den Weg nach Hause gemacht, so dass niemand mehr in ihrer unmittelbaren Nähe saß und die Kellner nur noch gelegentlich vorbeischauten um zu fragen, ob es noch etwas sein dürfe. Max hob den Arm und signalisierte dem Oberkellner, dass er noch einen Wunsch habe. Als er sich auf halbem Wege genähert hatte, nickte Max nur und der Kellner machte auf dem Absatz kehrt. Anna hob fragend die Augenbrauen.
„Was war das denn?“, wollte sie wissen.
„Er weiß, was ich von ihm will.“, sagte Max und goss Anna ein wenig Weißwein in ihr fast leeres Glas.
„Kann er hellsehen?“, lachte Anna.
„In dem Fall schon.“ , schmunzelte Max.
Anna und Max hatten sich in vor kurzem kennengelernt. Max hatte Anna in einem Internetforum angesprochen, das Menschen zusammenbrachte, die etwas Besonderes suchten.  Sie wussten um ihre geheimen Wünsche, doch bei den ersten Treffen hatte das Thema keine Rolle gespielt. Zuletzt hatte Anna ihm nach einem gemeinsamen Nachmittag mit gespielter Entrüstung eine Nachricht geschickt, dass sie enttäuscht sei, wie anständig Max sich verhalte. Max war nicht darauf eingegangen. Stattdessen hatte er ihr eine Einladung zum Essen geschickt.
Der Kellner näherte sich wieder. In der Hand trug er ein schmales, längliches Paket.  Die Form erinnerte Anna an den Koffer für ein zierliches Instrument, wie etwa eine Querflöte. Das Paket war in Florentinerpapier eingeschlagen.
„Danke sehr.“, sagte Max, als der Kellner das Paket an den Tisch brachte und es ihm reichte. „Für den Moment sind wir dann zufrieden.“
„Sehr gern.“, sagte der Kellner und entfernte sich.
„Was ist das?“, wollte Anna wissen.
„Ein Geschenk!“ Er reichte ihr das Paket. Es war schwerer als Anna gedacht hatte.
„Ein Geschenk für mich?“, fragte sie und riss die Augen auf.
„Natürlich für dich.“, lachte Max. „Mach es auf. Gerade sind wir ja allein.“
„Oh Gott, was ist denn in dem Paket. Ich hoffe es ist nichts Schlimmes.“
Max beantwortete die Frage nicht. Stattdessen lehnte er sich zurück und beobachtete Anna, wie sie nach einer guten Stelle suchte, an der man das Paket öffnen konnte.
Anna löste die feinen Klebestreifen, die das Geschenkpapier an seinem Platz gehalten hatten und zum Vorschein kam ein schmaler,  länglicher Koffer.  Er war aus schwarzem Holz gefertigt und hatte zwei goldene Verschlüsse an den Seiten. Anna öffnete sie und hob vorsichtig den Deckel an. Sie sah hinein und hob ihren Kopf reflexartig um, als wolle sie sich vergewissern, dass außer Max niemand in ihrer Nähe war. Dann richtete sie den Blick erneut auf den Koffer.
„Gefällt dir dein Geschenk?“, wollte Max wissen.
Ein kurzes Lächeln huschte über Annas Gesicht, während sie den Inhalt des Koffers betrachtete. Jemand hatte ihn aufwändig mit dunkelgrünem Samt ausgeschlagen, so dass der Inhalt sicher verwahrt war. Darauf lag ein paar glänzender Handschellen aus Edelstahl und eine Reitgerte, die von oben bis unten aus braunem Leder gefertigt war. Am Griff befand sich ein silberner Knauf und die Spitze bestand aus einer breiten Klatsche.
„Es sieht interessant aus.“, sagte Anna, während sie den Koffer vorsichtig schloss. Dann sah sie Max an.
„Interessant?“, wollte er wissen?
„Ja. Interessant.“
„Das freut mich. Nachdem ich dich bei unseren letzten Treffen ja anscheinend schon gelangweilt habe, ist interessant durchaus ein beachtlicher Fortschritt.“, sagte er und lächelte sie freundlich an.
„Es geht in die richtige Richtung.“, stellte Anna fest und versuchte seinem Blick ein wenig auszuweichen, in dem sie an ihrem Glas Wein nippte. „Aber darf ich dich etwas fragen?“
„Natürlich. Was du willst.“, ermutigte er sie.
„Du hast doch bestimmt ganz viel Spielzeug, warum hast du dir die Mühe gemacht, das hier neu zu kaufen? Es sieht zumindest neu aus.“
„Es ist neu. Nagelneu und unbenutzt.“, bestätigte Max.
„Ja also. Warum gibst du dein Geld dafür aus, wenn du alles zu Hause hast?“
„Wie kommst du darauf, dass ich alles zu Hause habe?“
„Naja, ich dachte du hast viel Erfahrung in diesen Dingen.“, sagte Anna. „Da hat man doch bestimmt das meiste zu Hause oder?“
Max lächelte.
„Darf ich dich was fragen?“, wollte er wissen.
„Ja klar, alles.“
„Wie würdest du dich fühlen, wenn ich dich breitbeinig an einen Stuhl fessele und dir dann mit einer Peitsche zwischen die Beine schlage, von der du denkst, dass sie auch schon andere Frauen zwischen die Schenkel geküsst hat?“
Anna sah verlegen zur Seite.
„Nun?“, wollte Max wissen und fixierte sie mit seinem Blick.
„Ich weiß was du meinst.“, gab Anna zu.
Aber in diesem Moment wusste sie noch etwas anderes. Sie wusste, dass Max sich Gedanken machte und dass sie sich sicher bei ihm fühlen konnte. Und sie wusste, dass es an ihr war, den nächsten Schritt zu gehen. Anna erhob sich von ihrem Stuhl und ging hinüber zu Max. Sie um armte ihn von hinten und beugte sich zu ihm vor. Dann flüsterte sie: „Ich möchte mich kurz frisch machen. Und wenn ich zurückkomme, will ich, dass du mich an einen Ort bringst, wo du mir noch ein paar spannendere Dinge zu deinem Geschenk erzählen kannst.“
Max griff nach ihrer Hand und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den Handrücken.
„Ich werde dir deinen Wunsch erfüllen.“, sagte er ruhig und Anna merkte, wie ihr Herz begann, schneller zu schlagen.

Geschrieben von hamburgdecadence

Leben. Literatur. Genuss.

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